Writing for CEE - Journalism Prize


"Writing for CEE 2010" geht an Bosnierin Azra Nuhefendić

APA und Bank Austria vergeben Journalistenpreis - Pavel Kohout berichtet über sein Leben zwischen Hitler, Stalin und Havel

V.l.n.r. Willibald Cernko (CEO Bank Austria), Pavel Kohout (Schriftsteller und Mitbegründer des CSSR-Bürgerrechtsmanifests Charta 77), Azra Nuhefendić (Preisträgerin), Michael Lang (Chefredakteur-APA), Ambros Kindel (Ressortleiter Außenpolitik-APA); Foto: APA/Thomas PreissGewinnerin 2010 Azra Nuhefendić; Foto: APA/Thomas PreissPavel Kohout; Foto: APA/Thomas Preiss
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Fritz von Friedl; Foto: APA/Thomas PreissPublikum; Foto: APA/Thomas Preiss
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Wien (OTS) - Die bosnische Autorin Azra Nuhefendić ist Gewinnerin des europäischen Journalistenpreises "Writing for CEE 2010". Die seit 1995 in Italien lebende Journalistin erhielt Montagabend in Wien den mit 5.000 Euro dotierten und bereits zum siebenten Mal von der APA - Austria Presse Agentur und der Bank Austria, ein Mitglied der UniCredit, vergebenen Award für ihre Reportage "Der Zug", in der sie ihre Erfahrungen bei einer Zugsfahrt von Belgrad in die bosnische Hauptstadt Sarajevo beschreibt.

Diesjähriger Stargast bei der Preisverleihung war der Schriftsteller und ehemalige CSSR-Dissident ("Charta 77") Pavel Kohout, der jüngst seine Autobiografie "Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel" veröffentlichte. Kohout blickte auf sein zweigeteiltes Leben zurück. Zuerst habe er wie viele andere Tschechen und Slowaken geglaubt, dass man aufgrund des Versagens des Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg den "Schirmherr" wechseln müsse, räumte der heute 82-Jährige ein.

Daher habe auch er dem Sozialismus das Wort geredet, dies allerdings bald als Irrtum erkannt. Der Wechsel von der NS-Diktatur Adolf Hitlers in den Einflussbereich von Sowjet-Machthaber Stalin habe sich nämlich als Weg "vom Teufel zum Beelzebub" herausgestellt. Letztlich sei es aber gelungen, den Kommunismus abzuschütteln.

APA-Chefredakteur Michael Lang erinnerte daran, dass Medienfreiheit auch in der Gegenwart selbst in unmittelbaren Nachbarländern Österreichs keine Selbstverständlichkeit sei. Lang erwähnte in diesem Zusammenhang die neu geschaffene Medienbehörde in Ungarn, deren Vorsitzender direkt vom Ministerpräsidenten ernannt wird. Über die möglichen Auswirkungen dieser Maßnahme wollte sich Lang nicht näher äußern: "Das überlasse ich Ihrer Fantasie."

Die Zukunft Europas hänge davon ab, "wie rasch und nachhaltig unser Kontinent zusammenrückt" und wie weit Nationalstaaten bereits seien, bei der Durchsetzung eigener Interessen auch das Gesamtwohl im Auge zu behalten. "Grenzen verschwinden viel schneller von den Landkarten als aus unseren Köpfen", formulierte Bank-Austria-Chef Willibald Cernko.

Der Gewinnerbeitrag: Ausgangspunkt der Reportage von Azra Nuhefendić ist die Wiedereröffnung der Bahnlinie zwischen Belgrad und Sarajevo, die seit Beginn des Bosnien-Kriegs (1992 bis 1995) unterbrochen war. "Nach 18 Jahren fährt wieder eine Lokomotive mit drei Waggons: Einer stammt aus der Republika Srpska, einer aus der Föderation Bosnien-Herzegowina und ein dritter aus Serbien." Die Wiederaufnahme dieser Zugverbindung steckt voller Symbolkraft. Sie dient Nuhefendić als Stilmittel, um sich dem blutigen Zerfall des Vielvölkerstaats der Südslawen und der damit verbundenen schleichenden Genese des interethnischen Hasses anzunähern.

Die Autorin: Azra Nuhefendić lebt heute in Triest. Sie arbeitet für verschiedene Medien und wurde mehrfach für Artikel und Reportagen aus und über Südosteuropa ausgezeichnet. Der Journalistenpreis "Writing for CEE" soll über alle Landesgrenzen hinweg zur journalistischen Auseinandersetzung mit Fragen Europas und der europäischen Integration einladen.

In die Liste der Preisträger haben sich bisher der tschechische Journalist Lubos Palata (2004), die bulgarische Schriftstellerin Diana Ivanova (2005), der bosnische Journalist Sefik Dautbegovic (2006), der österreichische Schriftsteller Martin Leidenfrost (2007), die in Griechenland geborene und in Deutschland aufgewachsene Radiojournalistin Anna Koktsidou (2008) sowie im Vorjahr der österreichische "Enthüllungsjournalist" Florian Klenk eingetragen.

Mitglieder der in wechselnder Zusammensetzung tagenden Jury sind u.a. der tschechische Kommunikationswissenschafter Milan Smid, der slowakische Publizist Michael Berko, die Kommunikationsberaterin Ildiko Füredi-Kolarik, der slowenische Schriftsteller Joze Hudecek, die polnischen Journalisten Igor Janke und Pawel Bravo, der tschechische Ex-Präsidentenberater Jiri Pehe, die ungarische Radio-Journalistin Julia Varadi, die bulgarische Schriftstellerin Janina Dragostinova, die CEE-Pressesprecherin der Bank Austria - UniCredit Group, Silvana Lins, sowie als Jurysprecher APA-Außenpolitikchef Ambros Kindel.