Writing for CEE - Journalism Prize


"Spiegel"-Journalist Takis Würger gewinnt "Writing for CEE 2014"

Reportage über Bewacher einer Lenin-Statue in ukrainischer Provinzstadt ausgezeichnet - Ehrengast Wladimir Kaminer sprach bei Preisverleihung über Putins Ukraine-Politik

Writing for CEE 2014: APA und UniCredit Bank Austria vergaben in Wien zum elften Mal den Journalistenpreis “Writing for CEE”. Im Bild v.l.n.r.: Francesco Giordano (UniCredit Bank Austria), Michael Lang (APA - Austria Presse Agentur), Cornelia Vospernik (Laudatorin und Mitglied der Jury; ORF), Takis Würger (Preisträger 2014), Ehrengast Wladimir Kaminer (deutsch-russischer Schriftsteller), Edgar Schütz (Moderator; APA). Foto: Katharina Roßboth. Takis Würger, Reporter des deutschen Nachrichtenmagazins “Der Spiegel”, gewann den Journalistenpreis “Writing for CEE 2014”. Foto: Katharina Roßboth. APA und UniCredit Bank Austria vergaben in Wien zum elften Mal den Journalistenpreis “Writing for CEE&lrquo;. Wladimir Kaminer, deutsch-russischer Schriftsteller (u.a. “Russendisko“), hielt eine Rede unter dem Titel “Wie die Russen ticken”. Foto: Katharina Roßboth.
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Gäste der Preisverleihung. APA - Austria Presse Agentur, Foto: Katharina Roßboth.
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Wien (OTS) - Ein Reporter des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" gewinnt den Journalistenpreis "Writing for CEE 2014". Takis Würger erhielt die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung am Mittwochabend in Wien für eine Reportage aus Illitschiwsk, einer Provinzstadt im Süden der Ukraine. Anhand des Kampfs um eine Lenin-Statue veranschaulichte Würger die Gespaltenheit des Landes.

"Takis Würger hat nicht nur einen in Aufbau, Stil und Sprache perfekten Text abgeliefert", begründete die Journalistin Cornelia Vospernik in der Laudatio die Preisvergabe stellvertretend für die Jury. "Er hat vor allem das getan, was zu den wichtigsten Aufgaben von uns Journalisten gehört: das Große durch das Kleine begreifbar zu machen."

Würgers Text beginnt mit einem Gerücht: Bewaffnete Männer aus der Westukraine seien auf dem Weg nach Illitschiwsk, um den sieben Meter großen, goldenen Lenin abzureißen, hieß es. Bewohner der Schwarzmeerstadt wie die 21-jährige Kristina versammelten sich daraufhin, um das Denkmal zu bewachen. "Die Wächter von Illitschiwsk" erlebten große Ungewissheit in diesen Tagen Anfang März. Sie stritten um die Zukunft des tiefgespaltenen Landes. Der deutsche Journalist traf radikale ukrainische Nationalisten ebenso wie Sowjetnostalgiker. Die russischsprachige Hauptprotagonistin Kristina ist weder pro-europäisch noch uneingeschränkt pro-russisch. Sie wünscht sich einen Kompromiss zwischen Ost und West: Lenin steht für sie für ein multinationales Miteinander.

Etwa acht Tage war Takis Würger gemeinsam mit dem Fotografen Fabian Weiß in der Ukraine unterwegs. "Fabian und ich haben einfach ein paar Tage bei der Statue verbracht, viel Tee getrunken und viel gerösteten Speck gegessen und gefroren", erzählte Würger der APA. "Das mache ich meistens so. Erst mal ein paar Tage rumhängen und still sein, damit die Leute die Angst verlieren." Nach einigen Tagen hätten sie "dann zur Familie gehört".

Auch der Ehrengast der Preisverleihung Wladimir Kaminer widmete sich der Ukraine. In einer Rede sprach der deutsch-russische Schriftsteller über die Ukraine-Politik Russlands. Präsident Wladimir Putin habe durch den Krieg das ehemalige "Bruderland" Ukraine gegen sich aufgebracht, hatte der Autor der "Russendisko" im Vorfeld in einem Gespräch mit der APA erklärt. Durch den Krieg sei die zuvor gespaltene Ukraine geeint worden. "Der russische Präsident hat es geschafft, aus einem zerteilten, ökonomisch auf dem Rücken liegenden Land eine Einheit zu machen." Jetzt, so Kaminer, sehen die Ukrainer die europäische Annäherung als "alternativlos". Die Mehrheit sei für einen NATO-Beitritt. Nur in den beiden abtrünnigen Provinzen Donezk und Luhansk (russisch: Lugansk) gebe es Probleme. Aber "die Probleme haben die Russen gebracht, die in die zwei Regionen reingekommen sind".

Der von APA - Austria Presse Agentur und UniCredit Bank Austria jährlich verliehene Journalistenpreis “Writing for CEE” wurde 2014 zum elften Mal vergeben. Der Preis setzt sich das Ziel, die journalistische Auseinandersetzung mit Fragen der europäischen Integration zu fördern. Ausgezeichnet werden Beiträge, die Zentral- und Osteuropa (CEE) zum Thema haben, die dem gegenseitigen Verständnis dienen und Grenzen sowie Vorurteile überwinden. "Einreichungen aus 21 Ländern belegen deutlich, dass dieses Signal im gesamten CEE-Raum und darüber hinaus deutlich gehört wird", betonte APA-Chefredakteur Michael Lang.

Mitglieder der in wechselnder Zusammensetzung tagenden Jury waren neben dem Preisträger des Vorjahres, Sebastien Gobert, der tschechische Kommunikationswissenschaftler Milan Smid, die Kommunikationsberaterin Ildiko Füredi-Kolarik, der polnische Journalist Pawel Bravo, die ungarische Radio-Journalistin Julia Varadi, der bulgarische Journalist Ivan Bakalov, die österreichische Journalistin Cornelia Vospernik, der CEE-Pressesprecher der UniCredit Bank Austria Tiemon Kiesenhofer sowie als Jurysprecherin die stellvertretende Ressortleiterin der APA-Außenpolitik Alexandra Demcisin.

Der Gewinnerbeitrag, eine Selektion der eingereichten Texte sowie weitere Informationen zum Preis sind unter www.apa.at/cee-award online.

Liste bisheriger Preisträger und Festredner der Verleihungen "Writing for CEE"

Preisträger

2004 Lubos Palata (Tschechien)
2005 Diana Ivanova (Bulgarien)
2006 Sefik Dautbegovic (Bosnien-Herzegowina)
2007 Martin Leidenfrost (Österreich)
2008 Anna Koktsidou (Deutschland/Griechenland)
2009 Florian Klenk (Österreich)
2010 Azra Nuhefendić (Bosnien-Herzegowina)
2011 Meta Krese (Slowenien)
2012 Martin Ehl (Tschechien)
2013 Laurent Geslin & Sébastien Gobert (Frankreich)
2014 Takis Würger (Deutschland)

Festredner

2004 Jiri Dienstbier (Früherer tschechischer Außenminister)
2005 Milan Kucan (Ehemaliger slowenischer Staatspräsident)
2006 Susanne Scholl (Leiterin ORF-Büro Moskau)
2007 Barbara Coudenhove-Kalergi (Journalistin und Osteuropa-Expertin)
2008 Joana Radzyner (Leiterin ORF-Büro Warschau)
2009 Bärbel Bohley (Frühere DDR-Bürgerrechtlerin)
2010 Pavel Kohout (Schriftsteller und Mitbegründer Charta 77)
2011 Hans-Dietrich Genscher (Früherer deutscher Außenminister)
2012 Wolfgang Petritsch (Ehemaliger Bosnien-Beauftragter)
2013 Adam Michnik (Chefredakteur der polnischen Zeitung "Gazeta Wyborcza")
2014 Wladimir Kaminer (deutsch-russischer Schriftsteller, u.a. "Russendisko")